Home · Verein + Bilder · Magstadt 9.2015

Exkursion September 2015 in den Steinbruch Magstadt

Zu fünft besuchten wir am 19. September unter der Leitung von Thomas den Muschelkalk­steinbruch der Firma NSN (Natursteinwerke im Nordschwarzwald) in Magstadt. Der Geschäfts­führer Herr Ulmer begrüßte uns am Tor und gab uns dann im Werksgelände einen kurzen Überblick über das Steinbruchareal, das Schotterwerk und die aktuelle Abbausituation.

 

Geologische Einstufung (Quelle: Fa. arguplan Karlsruhe, 2011)

Geologisch gehören die im Steinbruch Magstadt/Renningen anstehenden Gesteine zur Muschelkalkformation. Die Muschelkalkformation stellt das mittlere Schichtglied der Trias dar, die neben dem Muschelkalk aus dem unterlagernden Buntsandstein und dem überlagerndem Keuper besteht. Im Steinbruch Magstadt werden, wie in den anderen Kalksteinbrüchen in der Region nur die Gesteine des Oberen Muschelkalks gewonnen. Die Gesteine des Oberen Muschelkalks wurden im Zeitraum vor ca. 238 bis 235 Mio. Jahren abgelagert. Der Obere Muschelkalk hat hier im Steinbruch Magstadt/Renningen eine Mächtigkeit von ca. 90 m. Darüber lagern nochmals ca. 4 bis 6 m nicht verwertbarer Keuper. Dieser wird zur Verfüllung des Steinbruches eingesetzt.

 

Unter dem Keuper beginnt die geologische Formation des Oberen Muschelkalks dann zu­nächst mit "Dolomit". Während der Kalkstein überwiegend aus Kalziumcarbonat besteht, besteht der Dolomit im Wesentlichen aus Magnesiumcarbonat. Die Ablagerung des Dolomits zum Ende der Muschelkalkzeit erfolgte in flachen, übersalzten Meeresbereichen. Aufgrund der anderen mineralogischen Zusammensetzung hat der Dolomit­stein grundlegend andere Eigenschaften als der Kalkstein. Insbesondere die Druck­festigkeit ist deutlich geringer, weshalb der Dolomit nicht zur Herstellung von qualifizierten Straßenbaustoffen und Zuschlagstoffen geeignet ist. Die Dolomitsteine werden daher als Wasserbausteine und im Gartenbau eingesetzt. Bei ausreichend hohem Magnesiumgehalt könnte der Dolomitstein zur Düngung und bei der Trinkwasseraufbereitung verwendet werden.

 

Unter dem Dolomit stehen dann die hochwertigen und als Rohstoff nutzbaren, grauen

teilweise blaugrauen Kalksteinbänke an (z.T. als "Blaukalk" bezeichnet). Die Kalksteinbänke

werden von mergeligen und tonigen Zwischenschichten unterbrochen, die in ganz Baden-Württemberg in vergleichbarer Abfolge vorkommen und daher zur geologischen Gliederung der Gesteinsfolge herangezogen werden. Ein wichtiger Tonhorizont, der weitgehend wasser­undurchlässig ist, liegt in einer Tiefe von 5 bis 10 m unterhalb der genehmigten tiefsten Abbausohle. Diese als "Haßmersheimer Mergel" bezeichnete Schicht schützt den darunter liegenden Grundwasserkörper, weshalb diese Schicht nicht durchbrochen werden darf. Aus Gründen des Grundwasserschutzes wird hier im Steinbruch Magstadt ein deutlicher Sicherheitsabstand von diesem Tonhorizont eingehalten.

 

Funde

Im Muschelkalk sowie dem überlagernden Dolomit wurden in Drusen und Klüften Calcit­kristalle (teilweise Doppelender), Dolomitkristalle und weitere Minerale (bspw. Kupfer­oxidations­­minerale, auch Pyrite) gefunden. Außerdem wurden in Blöcken des Schwarzjuras aus Stuttgart-Vaihingen, die im Steinbruch als Auffüllmaterial abgelagert werden, typische Fossilien aus dem Lias alpha, hier Gryphäenkalk, wie Ammoniten, Gryphäen (Austern­muscheln) und ein Nautilus giganteus (vermutlich ein Germanonautilus bidorsatus) gefunden. In einem Stück des überlagernden Dolomit (vermutlich im sog. „Grenzbonebed“, das die Grenze zwischen überlagerndem Keuper und dem Oberen Muschelkalk / hier mit Dolomit / bildet und in dem es zu einer Anreicherung von widerstandsfähigen Wirbeltierresten kam) fand sich eine fossile Rippe eines Nothosauriers (vom Kurator Paläontologie des Natur­kundemuseums Karlsruhe Prof. „Dino“ Frey so bestimmt). Insgesamt ein sehr lohnender Besuch in diesem Steinbruch, der eine Wiederholung im nächsten Jahr nahelegt!

 

Thomas

 

Calkopyrit, Malachit auf Calcit, Bildbreite 6 mm
Dolomit, Bildbreite 10 mm

Bilder: Thomas, Reinhold