Home · Verein + Bilder · Naturkundemuseum Stuttgart 4.2015

Exkursion April 2015 nach Stuttgart:

Mineraliensammlung des Naturkundemuseums Stuttgart „Museum am Löwentor“ und in den Cannstatter Travertin

Zu sechst besuchten wir am 18. April unter der Leitung von Ben die Mineraliensammlung des Naturkundemuseums Stuttgart. Herr Franz Xaver Schmidt, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Geologie, Paläontologie und Mineralogie des „Museums am Löwentor“ und dort auch für Öffentlichkeitsarbeit zuständig, führte uns gut 2 ½ Stunden durch sein Reich und eröffnete uns in einer Vielzahl von Regalen und Schubladen eindrucksvolle Perspektiven in die unglaubliche Mineralien- und Gesteinssammlung des Museums. Die Sammlung beruht ursprünglich auf Stücken aus der Sammlung von Königin Olga von Württemberg (1822 – 1892), die den zweiten Weltkrieg im Museum oder in Auslagerungsorten heil überstanden haben. Die Sammlung ist sowohl systematisch nach den Mineraliengruppen als auch (insbesondere die Gesteine) regional aufgebaut, und ermöglicht daher sowohl die Suche nach einzelnen Mineralien als auch nach allen Funden eines bestimmten Gebietes bzw. der einzelnen Bergbaureviere des Schwarzwaldes und anderer Landesteile. Eine sehr eindrucksvolle und mit großem Engagement betreute Sammlung, die viel mehr ‚Licht der Öffentlichkeit‘ verdient hätte!

Der zweite Teil der Exkursion ging in den Cannstatter Travertin. Der Travertin im Stuttgarter Neckar- und Nesenbachtal ist ein Süßwasser-Kalksintergestein und während der Warmzeiten des Eiszeitalters (Pleistozän) und in der Nacheiszeit (Holozän) im Bereich von Quellen entstanden. Die ältesten Vorkommen reichen bis 500.000 Jahre in die Erdgeschichte zurück.

Ben zeigte uns den Travertin-Steinbruch der Firma Lauster und die davor in der Neckartalstraße (gegenüber dem Kraftwerk Stuttgart-Münster) aufgestellten Travertinsäulen, die 1936 von Albert Speer in Auftrag gegeben und bestellt, jedoch nicht abgeholt wurden. Die 14 Kolossalsäulen bilden heute ein markantes ‚Denkmal‘ für die Gigantomanie der Nazis. Von weit größerem Interesse ist allerdings das Firmengebäude der Firma Lauster selbst sowie umgebende Wohngebäude, da an deren Fassaden die enorme Strukturvielfalt des Cannstatter Travertins hervorragend abgelesen werden kann. Die Streifung, Maserung, Faltung, Porigkeit und oft unterschiedlich farbige Schichtung des Travertins kommt an diesen Fassaden fantastisch zum Ausdruck und es ist dadurch verständlich geworden, warum dieser hochwertige und polierfähige Naturwerkstein so große Verbreitung und Bedeutung im Fassadenbau und bei der Verkleidung vieler Gebäude gefunden hat. Nicht zuletzt die neue Staatsgalerie in Stuttgart ist ein grandioses Beispiel für den Einsatz des Cannstatter Travertins.

Den Abschluss der Exkursion bildete der Besuch des erst in den letzten Jahren vollendeten „Travertinparks“ in Stuttgart-Hallschlag, wo alte Maschinen zur Bearbeitung der in den direkt benachbarten ehemaligen Steinbrüchen Haas und Lauster abgebauten Travertin-Rohblöcke aufgestellt sind. Das Gelände bildet mit teilweise zugänglich gemachten alten Steinbruch-Arealen für Tiere und Pflanzen und auch für die Bewohner der Umgebung ein sehr schönes Erholungsrefugium mitten im Stadtgebiet dar, das gleichzeitig auch dem Denkmalschutz und der Erinnerungskultur an einen in früheren Jahren hier sehr bedeutsamen Wirtschaftszweig dient.

Thomas